Schloss Philippseck bei Münster

Kapitel 5 (Ein neuer Besitzer)


Ernst Ludwig, Landgraf von Hessen-Darmstsdt, war von 1681 an Besitzer des Philippsecker Schlosses und überließ es seiner Mutter Elisabeth Dorothea, die das Butzbacher und Philippsecker Schloß von 1688 bis zu ihrem Tode im Jahre 1709 bewohnte. Aus alten Schriftstücken aus ihrer Zeit ist ersichtlich, das alljährlich am 1. Mai ein Markt an Schloß Philippseck - das Amt Philippseck umfaßte 1696 die Orte Münster, Maibach, Bodenrod und Weiperfelden - gehalten wurde. Nach der Landgräfin wohnte auf Schloß Philippseck, wie in Butzbach von 1710-1741 Landgraf Heinrich.


1773 auf Abruch verkauft
Bei der unzweckmäßigen Bauart des Schlosses konnte ihm kein langes Dasein beschieden sein. Schon um die Mitte des 18.Jahrhunderts war es baufällig; bereits 1750 waren die Renovierungskosten mit über 6000 Gulden berechnet worden. Daher ordnete im Jahre 1770 die Darmstädter Regierung an, daß das Gebäude nicht weiter erhalten, sondern auf Abbruch versteigert werden sollte. Grund: Man wollte die Unterhaltungskosten sparen. Aus diesem Grunde befahl Landgraf Ludwig IX. Philippseck, wie zahlreiche andere baufällige Schlösser der Landgrafschaft, niederzulegen; bestimmte aber zugleich, das der geräumige Keller erhalten bleiben sollte. Dementsprechend wurde das Schloß im Jahre 1773 um 1300 Gulden auf den Abbruch verkauft. Die Uhr und Glocke vom Turm wurden aufgehoben, gingen aber später verloren. Von dem Inventar des Schlosses Landgraf Philipps wurden die meisten Stücke verschleudert. Einzelne wurden durch Großherzog Ludwig III. vor dem Untergang gerettet und befinden sich noch in Darmstadt; so zum Beispiel eine große Truhe, die 1616 in Nürnberg angefertigt worden war. Auch das eiserne Gestell mit den Zifferblättern blieb erhalten und wird im Butzbacher Heimatmuseum aufbewahrt.


Müller kauft Schloßberg
Als 1775 die letzten Steine von Schloß Philippseck abgefahren wurden, kam in der am Fuße gelegenen Werner’s Mühle ein junge auf die Welt, der später den gesamten Schloßberg kaufte. Noch lange sollen seine Nachkommen die gelben Rosen aus dem Lustgarten als letzte Zeugen der entschwundenen Schloßherrlichkeit gepflegt haben. Rund 100 Jahre später, im Jahre 1893, wurde die Schloßmühle samt den 10 Morgen großen Schloßberg von Johann Wörner, der nach Amerika auswanderte, an den Müller Eberhard Huber I. verkauft.


Teilung des Schloßberges
Nach dem Tod Eberhard Huber I. wurde 1923 der Schloßberg, der als Weide diente und zum teil mit Hecken bewachsen war, in drei Teile aufgeteilt. Am Fuße des Gehberges ging in der alten Mühle, von der einst ein unterirdischer Gang zum Philippsecker Schloß führte, die Arbeit weiter; auch nach 1930, als der Mühlgraben zugefüllt und mit elektrischer Energie geschrotet wurde. Jakob Huber II., Landwirt und Lohndruschunternehmer, übernahm schließlich 1945 als 28jähriger die Schloßmühle, in der noch bis zum Jahre 1964 der alte Schrotgang in Betrieb war. In diesem Jahr wurde die alte Mühle und das daneben liegende Wohnhaus, das durch einen Neubau ersetzt wurde, abgebrochen. Außer zwei Mühlsteinen, die Jakob Huber II. In der Außenwand des Wohnhauses einmauern ließ und einen teil des Mühlgrabens, dessen Gewölbe sich noch unterhalb des gepflasterten Hofes befinden, blieb von der einstigen Schloßmühle unterhalb des Schloßberges, in deren nähe sich einst das Schmelz- und Pochwerk des Landgrafen befand und in der Jahrhunderte lang das Getreide der Bauern aus Münster und Umgebung vermahlen wurde, nichts übrig. Auch von dem Schloß sind nur noch wenige Spuren zu erkennen. Geblieben sind auf der der Lochmühle zugewandten Seite des Schloßberges Reste des inneren und äußeren Wehrgrabens und des Schloßgartens; versunken aber sind Kasematten, Keller und Silbergruben. Dazu raunt der Isselbach an dieser einst für einen Landstrich interessanten Stätte unaufhörlich in unsere Zeit die Melodie alter Geschichte; Es war einmal -


ANNO DAZUMAL.


Jürgen Buhlmann Münster 01.04.2001
Abschrift aus der Butzbacher Zeitung von Weihnachten 1973

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