»Paradiesische Zustände« herrschen in Fauerbach und Münster

Aufnahme in Dorferneuerungsprogramm mit Bescheidübergabe besiegelt
Es kommt auf die Bürger an


BUTZBACH (thg). Die Butzbacher Stadtteile Fauerbach v.d.H. und Münster sind nun offiziell in das Dorferneuerungsprogramm des Landes aufgenommen. Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch übergab im Fauerbacher Dorfgemeinschaftshaus am Donnerstag Nachmittag die Urkunde an die Ortsvorsteher, Elke Fett (Münster) und Ewald Reitz (Fauerbach). „Sie als Bürger haben es in der Hand, jetzt etwas daraus zu machen”, sagte Saebisch. Elke Fett bezeichnete es als „paradiesische Zustände”, dass die Bürger einmal bei so weitreichenden Entscheidungen mitreden dürfen. Reitz wünschte sich von der Denkmalschutzbehörde ein offenes Ohr für die modernen Bedürfnisse bei Umbauten.

Verleihung der Urkunde

BUTZBACH. Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch (2.V.I.) übergab im Fauerbacher Dorfgemeinschaftshaus den Aufnahmebescheid für das Dorferneuerungsprogramm. Bürgermeister Michael Merle (v.l.), Landrat Joachim Arnold, die Ortsvorsteher Ewald Reitz und Elke Fett und Landtagspräsident Norbert Kartmann bedankten sich und appellierten an die Dorfgemeinschaft, sich zu engagieren.
Text + Foto: thg

Bürgermeister Michael Merle erinnerte daran, dass bereits Nieder-Weisel, Griedel, Hoch-Weisel und Ostheim von der Dorferneuerung profitiert haben. Hinzu komme die Stadterneuerung in der Kernstadt. Im Jahr 2006 hatte die Verwaltung auch den Antrag für Fauerbach und Münster eingereicht. „Es kann nur gelingen, wenn wir es schaffen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen”, mahnte er die Bürger der Stadtteile. Die Verwaltungsarbeit sei nun aufgenommen worden.

Staatssekretär Saebisch betonte, dass sich die Butzbacher Stadtteile gegen andere Bewerber durchgesetzt hätten. „Sehen Sie dies als Chance”, sagte er. Die eigentliche Arbeit beginne jetzt „Der Erfolg und der Umfang der Dorferneuerung hängen ab von der Aufstellung und der engagierten Mitarbeit” Gleichzeitig sei die Dorferneuerung ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Für jeden Euro staatlicher Förderung würde eine Folgeinvestition von drei bis fünf Euro zu Buche schlagen.

An die Veränderungen des Dorflebens durch die demografischen Wandel erinnerte Saebisch ebenso wie Landrat Joachim Arnold. Die dörflichen Strukturen hätten sich in den vergangenen hundert Jahren „völlig geändert”. Es gehe nun darum, die Bausubstanz an neue Lebensstrukturen anzupassen.

Landtagspräsident Norbert Kartmann lobte die gemeinsame Bewerbung der beiden Stadtteile als klug. Er erklärte, dass die Dorferneuerung im Landtag im Prinzip unumstritten sei. Zum Thema Denkmalschutz verlangte Kartmann eine pragmatische Lösung. Seiner Ansicht nach könnten in den historischen Straßenzügen die alten Fronten erhalten werden. „Was dahinter marode ist, muss man auch anders gestalten können und dann auch andere Wohnmöglichkeiten schaffen dürfen”.

Ewald Reitz meinte, es habe keinen Sinn, jede alte Scheune zu erhalten, in der nur noch Ungeziefer wohnt. Er erinnerte daran, dass das Fauerbacher Dorfgemeinschaftshaus aus dem Jahr 1955 stammt und als Verwaltung, Bade-, Lese-, Versammlungsstätte und Gefrieranlage fungierte. Es sei „mehr als ein Sanierungsfall”. Mit dem Dorferneuerungsprogramm verbindet er auch die Hoffnung auf eine verbesserte Infrastruktur, da im Dorf Menschen wohnten, die nur zum Schlafen dorthin kämen und im Rhein-Main-Gebiet arbeiteten.

Auf die Dorfgemeinschaft hob auch Elke Fett ab. Das Dorf laufe Gefahr nur noch Wiege zu sein, wenn die Heranwachsenden dann wegziehen und eine Dorfgemeinschaft nicht mehr kennen lernen. „Ohne diese Gemeinschaft sind Fassaden nur Fassaden”, sagte sie.

Für die bisherigen Dorferneuerungen in Butzbacher Stadtteilen sind in den vergangenen Jahren in 360 Projekte mehr als 13 Millionen Euro an Zuschüssen geflossen. Der Bescheid, den der Staatssekretär in Fauerbach überreichte, erhält allerdings keine Beträge. Desiree Albrecht, beim Wetteraukreis für die Dorferneuerung zuständig, erläuterte, dass in etwa einem halben Jahr ein so genannter Koordinierungstermin stattfindet, in dem Projekte besprochen werden. Dann klärt sich auch, was umgesetzt werden kann. „Dann wer den auch Zahlen genannt”, sagte sie. Für private Vorhaben gibt es unter bestimmten Vorgaben dann bis zu 30 Prozent finanzielle Förderung, aber maximal 30.000 Euro pro Projekt. Jährlich wird der Dorferneuerung vom Land ein Budget zugewiesen. Das Dorferneuerungsprogramm für Fauerbach und Münster läuft acht Jahre.

Bericht in der BZ am 04. September 2010

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